Eine neue Robe

Um genau zu sein eine Robe a la Francaise aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts.

Die Dekoration der Robe basiert auf einem Original im KCI; eine aufwendige Kombination aus Smock, Raffungen und Wattierungen. 

Um die Robe anzufertigen, hat es mit Unterkleidung (Reifrock/Panier und Unterrock, die Schnürbrust war schon vorhanden) ein gutes halbes Jahr gedauert. Mitunter auch deshalb, weil alle sichtbaren Nähte und die komplette Dekoration mit der Hand genäht sind, das macht immerhin etwa 95% aller Nähte an der Robe aus.

Für die Smock-Dekoration gibt es keine Anleitung, also musste ich durch Ausprobieren heraus finden, wie man diese Art von Verzierung herstellt.
Als erstes galt es zu lernen, wie man “richtigen” Smock macht, also nicht den Gummismock mit der Nähmaschine sondern solchen, wie er unter anderem an Trachten zu finden ist – und das geht ausschließlich mit der Hand. 

Als erstes habe ich einen breiten Stofffstreifen in der Mitte gesmockt und auf die Robe gesetzt, anschließend die Kanten in regelmäßigen Abständen zusammen gerafft und bogenförmig auf der Robe fest gesteckt. 
Im nächsten Schritt werden die Kanten der Bögen wattiert und der überschüssige Stoff in der Mitte des Bogens zusammen gerafft.
Zu guter Letzt werden die Bögen an der Kante auf der Robe fest genäht und Goldborte auf die Kante gesetzt, zusätzlich werden die Falten und die Wattierung mit einigen unstichtbaren Stichen fixiert.

   

Den Abschluß der Ärmel bilden drei bortebesetzten Volants, ergänzt durch eine Schleife, die mit einem kleinen Blumenbouquet aus Röschen und Kanzashi-Blättchen dekoriert ist.
Der darunter heraus schauende Spitzenärmel sitzt, wie es im 18. Jahrhundert üblich war, an der Chemise d.h. dem Unterhemd.

Der Stecker, der das Kleid vorn verschließt, ist mit einem selbst digitalisierten, nach zeitgenössischen Motiven erstellten Stickmuster verziert, ausgeführt mit goldenem Metallicgarn.
Am Ausschnitt ist wieder die Spitze der Chemise zu sehen.

  

Ergänzt wird die Robe durch einen Halsschmuck aus Spitze und einem Band aus dem Kleiderstoff, dekoriert mit einem goldgefassten Halbedelstein.

 In der Rückansicht sind die für die Robe a la Francaise so typischen Falten zu sehen:

 

Drachen-Burg-Torte

Ich habe mal wieder gebacken:
Diesmal einen Geburtstagskuchen für meinen Freund.
Als Vorlage diente mir grob der Drachenschloss-Kuchen aus Debbie Browns “Neue Zaubertorten“. Anstatt dem zierlichen Schloss aus dem Buch ist es bei mir eine Ruine geworden, das fand ich passender. 

Der Kuchen besteht aus hellem Bisquit, gefüllt mit Schokoladen- und Vanillecreme.

Beim Drachen habe ich das erste mal mit Traganat gearbeitet, das lässt den Fondant schneller aushärten, damit hat das Modellieren viel besser geklappt.

 

…und ne Buddel voll Rum Teil IV

Die Röcke

Für Untenrum wird es zwei in einen gemeinsamen Bund gefassten Rock geben; einen Unterrock mit Saumrüsche und darüber einen glatten Rock mit gedruckter Saumborte.
Damit ich nicht so viel Stoff in der Taille habe, setze ich beide Röcke zusammen an eine schmale (unter dem Schnürleib unsichtbare) Passe. Das ist nicht historisch adäquat, aber normal gehören die Röcke auch über, nicht unter den Schnürleib.

Für den Unterrock habe ich rote Baumwolle. Unterröcke sind meistens naturfarben, aber der jetzt als Unterrock getragene Rock muss ja nicht immer ein Unterrock gewesen sein. Den Rock für drüber werde ich aus caramelbrauner Baumwolle machen.

 

 
Den Rock bzw. die Röcke konstruiere ich, wie es im 18. Jahrhundert auch gemacht wurde. Das ist relativ simpel:

Man nehme so viele rechteckige Stoffbahnen (in meinem Fall drei) bis man den gewünschten Rockumfang erreicht hat (hier 4,5 Meter) und nähe alle an den Schmalseiten aneinander, bis man eine lange Stoffbahn hat.
Die Höhe der Stoffbahn richtet sich nach der größten Rocklänge. Das ist bei  Rokoko-Mode entweder die Seite über das Panier bzw. Poschen oder später hinten übers Pokissen gemessen.
Dann zeichnet man oben an der Stoffbahn eine Kurve, die die kürzeste (vordere Mitte) und längste Rocklänge miteinander verbindet und legt das ganze bis auf Taillenweite in Falten. Die beiden schmalen Kanten der Stoffbahn schließt man zum Rock und baut in die Seiten jeweils Schlitze (für die darunter getragenen Taschen) ein. Bund und Bindebänder zum Schließen dran (vorderer und hinterer Bund getrennt voneinander), Rocksaum gemacht, eventuelle Dekoration (Rüschen) angebracht; fertig.

Den Ausgleich von längster und kürzester Rocklänge brauche ich nicht, da ich keine Unterbauten tragen werde. Ansonsten ist aber das Vorgehen das selbe, nur dass der Längenausgleich wegfällt.

Zuerst schneide ich also drei 95 cm breite Stoffbahnen zu und nähe sie an den Webkanten mit einer Kappnaht aneinander. Oben bleiben jeweils 25 cm der Nähte offen, die bilden später die Taschenschlitze. Die hintere Mittelnaht bleibt erst mal noch offen, so kann ich später die Saumrüsche vom Unterrock besser annähen.

Jetzt bestimme die vordere Mitte des späteren Rockes, lasse dort 6 cm glatt und lege den Rest auf Weite der Unterkante der Passe in Falten. Hinten steckt mehr Stoff in den Falten als vorne. 

Damit die Röcke nicht so schlapp runter hängen, bekommt der Unterrock noch eine Saumrüsche. Dazu schneide ich sechs 30 cm Breite Streifen, nähe sie an den Schmalseiten aneinander und säume beide langen Kanten.
Der Streifen wird jetzt mit dem Ruffler in Falten gelegt und auf den Rocksaum gesetzt.


Zuletzt schließe ich die hintere Mittelnaht (oben bleiben 20 cm zum Reinsteigen offen) und die noch offene Naht der Rüsche.
Damit ist der Unterrock fertig.
Der Zuschnitt und die Verarbeitung für den braunen Rock sieht genau wie der vom roten Rock aus, nur dass der braune Rock 5 cm länger wird. Bevor ich den Rock in Falten lege, bedrucke ich erst mal den Rocksaum. Dafür nehme ich mein antikes indisches Druckmodel und verpasse dem Rocksaum eine schöne dunkelbraune Borte.

Es gibt erhaltene Petticoats mit Saumborte, auch wenn dann in der Regel auch der restliche Stoff ein Druckmuster hat und die Muster komplexer und oft mehrfarbig sind. Hier ein Beispiel: Victoria&Albert Museum

Die Stoffmalfarbe zum Bedrucken fülle ich in eine Schale und gebe ein wenig Wasser dazu, damit die Farbe nicht mehr so dickflüssig ist. Dann betupfe ich den Model mit einem Küchenschwamm mit Farbe und presse den Model auf den Stoff. Damit die Borte gleichmäßig wird, markiert eine Kreidelinie auf dem Stoff die untere Kante des Models.
Nach dem Trocknen wird die Farbe durch Bügeln fixiert.


Am braunen Rock wiederholt sich das Faltenlegen am Bund jetzt noch mal, anschließend schließe ich die hintere Mittelnaht und lasse auch hier oben 20 cm zum Reinsteigern offen und versäubere den Schlitz durch doppeltes Einschlagen der Kanten. 

Damit sind jetzt beide Röcke fertig:

Die Umbindetaschen, die unter der. Rokoko-Garderobe getragen werden, sind echt eine praktische Sache, das will ich auch hier nicht missen.
Also fertige ich zwei ganz schlichte Taschen an, die kommen auch noch mit in den Bund unter die Taschenschlitze in den Röcken.


Bevor jetzt der Bund an die Reihe kommt, fertige ich noch vier 35 cm lange Bindebänder an.
Eigentlich sind das die überhängenden Bänder, die den Rock zusammen halten. Normalerweise bindet man sie so zusammen, dass Frau eine Schleife vorne und eine hinten hat, theoretisch wäre es aber auch möglich, eine Schleife links und eine rechts über den Taschenschlitzen zu binden und genau das täusche ich hier an. So kann ich dann später – wenn ich möchte - den braunen Rock (oder beide) mit den Bindebändern hochraffen.

Nach den Bändern kommt endlich der Bund dran:
Ich habe von einem anderen Projekt noch eine 5 cm breite Passe in der Schnittmustersammlung.
Das vordere Teil schneide ich zwei mal im Stoffbruch zu, das hintere vier mal einfach und bebügel die Teile mit dünner Vliseline.
Nachdem ich jeweils die hinteren Teile an das Vorderteil genäht habe, kann ich die Rockteile an die Passe setzen, die Bindebänder außen über die Taschenschlitze, die Taschen innen unter die Schlitze in den Röcken.


Anschließend kommt das Futter an die Passe, sie wird gewendet und die noch offene Nahtzugabe eingeschlagen und mit der Hand angenäht.


Damit man nicht in den Schlitz reingucken kann, bekommt eine Kante noch einen Untertritt.

Fehlt noch der Verschluß:
In die offenen Schmalkanten der Passe steche ich jeweils drei Schnürösen.
So liegt der Verschluß der Röcke hinten unter der Schnürung des Schnürleibs, da habe ich am wenigsten Druck auf dem Knoten der Schnürung.

Fertig!!

Weiter geht es mit dem nächsten Teil  –  Teil VI – Der Junstaucorps

…und ne Buddel voll Rum Teil III

Das Hemd

Für das Hemd werde ich mich an der Anleitung von Marquise für das Herrenhemd orientieren. Allerdings werde ich das Hemd etwas schmaler und kürzer machen, damit ich nicht vollkommen in dem Teil versinke und nicht so viel Stoff unter der Schnürbrust habe.

Als Stoff nehme ich den guten alten Bomull von Ikea, ich habe noch fast 2 Meter, das wird gut reichen. Da ich ein einfaches Hemd mache, brauche ich keine Spitze, ich mache die Rüschen aus dem selben Stoff.

Das Hemd besteht im Grunde nur aus verschiedenen Rechtecken und Quadraten.
Ich fange mit dem größten Rechteck an; dem Leib. Dazu schneide ich ein 180 cm x 60 cm großes Rechteck zu. Als nächstes die Ärmel; zwei 60 cm x70 cm große Rechtecke. Die restlichen kleinen Teile schneide ich zu, wenn ich sie brauche.

Zuerst bereite ich die Rüschen für den Brustschlitz und die Ärmel vor:
Dazu schneide ich einen 60 cm langen und 9 cm Breiten Streifen für den Brustschlitz und zwei 60 cm lange und 9 cm breite Streifen für die Ärmel zu.
Die Streifen versäuber ich an drei Seiten mit engem Zickzachstich und lege die offene Kante mit dem Ruffler in kleine Fältchen.

Los geht’s mit dem wahrscheinlich kompliziertesten Teil an dem Hemd, dem Schulterbereich.
Zuerst falte ich den Leib quer, so dass eine Hälfte 8 cm länger ist als der andere (das ist hinten) und markiere den Bruch, das wird die Schulter.
Von der Mitte der Schulterlinie zeichne ich eine 15 cm lange, senkrechte Linie, das wird der Hemdschlitz.

Den Schlitz schneide ich jetzt ein, ebenso von der Mitte aus jeweils 15 cm in die Schulterlinie. Bevor der Einschnitt anfängt auszufransen, schlage ich die Kanten schmal ein und fasse dabei die Rüsche mit.

Weiter geht’s mit den anderen beiden Schlitzen in der Schulterlinie:
Diese bilden größtenteils den Halsausschnitt, der später auf Kragenweite eingereiht wird.

Zuerst brauche ich aber noch die Schulterverstärkung:
Dazu schneide ich zwei Stoffstreifen mit den Maßen 20 cm x 6 cm zu, dazu zwei 8 cm x 8 cm große Quadrate.
In die Streifen mache ich jeweils an einer Schmalseite einen 6 cm tiefen Schlitz. Jeweils die eine Hälfte der Quadrate setze ich von links in die Schlitze. Das sieht dann so aus:

Das kommt jetzt in die Schulterschlitze:
Die noch freien Kanten vom Quadrat setze ich auf die gleiche Art in den Schlitz wie beim Schulterstreifen, allerdings diesmal von rechts, der Schulterstreifen zeigt dabei in Richtung Halsausschnitt.

Der Stoffstreifen wird jetzt auf die Schulter umgeklappt, indem das Dreieck diagonal gefaltet wird, dabei liegen alle Nahtzugaben des Quadrats jetzt innen. Die Kanten vom Streifen schlage ich schmal ein und nähe sie mit Gradstich fest.
Damit ist die Schulter fertig.

Als nächstes ist der Kragen an der Reihe:
Für den Kragen schneide ich einen 18 cm hohen und 42 cm langen Stoffstreifen zu und bebügel ihn (weil der Stoff nicht genug Stand hat) mit dünner Vliseline. Rosshaareinlage wäre passender, leider habe ich keine da.
Meine Halsweite beträgt 40 cm, die 2 zusätzlichen cm sind Nahtzugabe.

Zuerst reihe ich den Halsausschnitt vom Hemd auf Kragenweite ein und setze dann den Kragen an. Danach klappe ich den Kragen um und nähe die Schmalseiten zu.
Als letzten Schritt wird die noch offene Kante eingeschlagen und innen im Hemd mit der Hand angenäht.

Damit ist der Schulter- und Kragenbereich fertig und ich mache mit den Ärmeln weiter:

Dazu brauche ich meine Ärmelteile und zwei 10 cm x 10 cm große Quadrate als Achselkeile, dazu einen Streifen für die Manschette und einen Streifen für die Ärmelrüschen.Der Ärmel selbst wird 70 cm weit und 60 cm lang,
Zuerst schließe ich die Ärmelnaht mit einer Kappnaht, lasse aber an beiden Enden 10 cm offen. (für die Achselkeile und den Manschettenschlitz)

In die Schlitze an einem Ende der Ärmel kommt jetzt jeweils der Achselkeil, der auf die gleiche Art und Weise eingesetzt wird, wie die Quadrate an der Schulter, allerdings diesmal mit einer Kappnaht.

Damit ist der obere Teil der Ärmel fertig, fehlt noch die Manschette:
Den Schlitz versäuber ich durch doppeltes einschlagen. Die noch offene Kante wird möglichst fein auf Manschettenweite eingereiht und der Stoffstreifen für die Manschette angesetzt. Ans andere Ende der Manschette kommt die Ärmelrüsche.
Damit das auch von Innen sauber aussieht, fasse ich beim annähen der Rüsche an die Manschette noch einen zweiten Streifen mit, der innen die Nahtzugaben abdeckt und dessen andere Kante mit der Hand angenäht wird.

Am anderen Ende des Ärmels reihe ich einen 12 cm breiten Teil (der später auf der Schulter liegt) auf Breite des Schulterstreifens ein.

Jetzt kommt der Ärmel ins Hemd:
Ich setze den Ärmel wie gewohnt von links ein, der gekräuselte Teil des Ärmels trifft auf das Schulterstück. Hier von Innen zu sehen:

Wenn der Ärmel drin ist, kann ich gleich die Seitennähte des Hemdes schließen. Dabei bleibt unten am Saum ein Schlitz von 20 cm offen, der ebenso durch doppeltes Einschlagen versäubert wird, wie alle anderen Schlitze am Hemd.
In das Ende vom Schlitz kommt jeweils ein 4 cm x 4 cm großes, zum Dreieck gefaltetes Quadrat. Das verhindert, dass die Naht schneller aufgeht oder der Stoff neben der Naht ausreißt - (nicht nur)  im 18. Jahrhundert haben die Herren das Hemd mangels Unterhose zwischen den Beinen durch gezogen.


 
Anschließend ist direkt der Hemdsaum an der Reihe, der auch doppelt eingeschlagen wird. Hinten ist das Hemd etwas länger als vorne.


Als letztes fehlen noch Knopflöcher und Knöpfe, insgesamt brauche ich fünf Stück – ich nehme kleine Perlmuttknöpfe. In jede Manschette kommt ein Knopf, die anderen drei kommen in den Kragen.

Als nächstes gibts erst mal was für Untenrum: Teil IV – Die Röcke

…und ne Buddel voll Rum… Teil II

Der Schnürleib

Der Schnürleib gehört für mich bei einem (irgendwie gearteten) Rokoko-Ensemble einfach dazu. Im Fall des Piraten-Projekts gibt er dem Körper unter dem weitem Justaucorps eine weiblichere Form und sorgt für die epochentypische Silhouette.

Dieser hier wird dreiviertel-versteift, mit sichtbaren Stabtunneln, die konrastfarbig abgesteppt und mit Peddigrohr gefüllt werden. Geschlossen  wird der Schnürleib vorn durch handgestochene Ösen, die Weite wird durch die Rückenschnürung reguliert.

Da ich durch ein voran gegangenes Rokoko-Projekt schon einen erprobten Schnürleib-Schnitt habe, kann ich gleich mit dem Zuschnitt los legen:

Alle Teile schneide ich zwei mal aus festem Innenfutter (ein grässlich gemusterter, aber dünner und fester Ikea-Stoff), Oberstoff, noch eine Zwischenlage aus Baumwolle (die später aufgeleimt wird) und sichtbarem Futter aus Baumwolle zu.

Jetzt geht’s an die Tunnel:
Ich lege jeweils Oberstoff und die zwei Lagen Innenfutter aufeinander, markiere die Tunnel mit Kreide auf dem Oberstoff und steppe sie ab.

Wenn alle Tunnel fertig sind, kommen die einzelnen Teile zusammen, die Nähte steppe ich zwei mal dicht nebeneinander ab und bügel sie aus.

Weiter geht’s mit dem Wachsen und Einschieben vom Peddigrohr:
Zuerst ziehe ich das Peddigrohr über ein Stück Bienenwachs, um es geschmeidiger zu machen, schiebe es in den Tunnel und schneide es 10 mm kürzer ab, als der Tunnel lang ist, damit oben und unten noch Platz für das Schrägband ist.


Vor dem Verleimen kommt jetzt das Schrägband an die Kanten, damit ich später nicht durch den verleimten Stoff nähen muss. Jetzt nähe ich erst einmal nur die erste Naht vom Schrägband an.   

Im nächsten Schritt wird die Zwischenlage mit Holzleim auf die Rückseite geleimt, das hält noch mal alle Stäbe an ihrem Platz und festigt den Schnürleib noch ein wenig mehr.

Weil das nicht schön aussieht und sich vor allem nicht toll anfühlt, deckt eine Lage Baumwolle die Klebeschicht nach dem Trocknen ab.
Anschließend wird das Schrägband zum zweiten Mal mit der Hand festgenäht und hält somit das sichtbare Futter an seinem Platz.

Zum Abschluss steche ich an den Schnürkanten vorn und hinten die versetzten Schnürösen. Dazu kommen noch jeweils vier, um die Träger anzunesteln.
Dazu steche ich die Löcher mit der Beinahle vor und umsteche die entstandenen Löcher dicht mit Nähgarn.   

Damit ist der Schnürleib fertig.
Vor dem ersten Tragen muss nur noch das Schnürband eingezogen werden.

 

Weiter zu Teil III – Das Hemd.

 

…und ne Buddel voll Rum… Teil I

So ein Werdegang kann schon etwas  sehr spannendes sein, deswegen gibt es hier jetzt auch eine neue Kategorie: “Work in Progress” , wo ich von Zeit zu Zeit die Entstehungsgeschichte meiner Gewänder dokumentieren werde.

Den Anfang macht mein Piraten-Projekt:

 

Einleitung:

 

Ja, ich will eine Piratengewandung, aber keinen Abklatsch aus “Fluch der Karibik” (obwohl ich die Kostüme sehr gelungen finde), sondern etwas eigenes.

Angefangen hat alles mit einer “Piratenpistole”, die seit Jahren bei meinem Opa im Keller gehangen hat. Da hing sie neben dem Lötkolben an einem Haken von der Decke und träumte wahrscheinlich von der Karibik und Piraten… Mein Uropa hatte sie vor vielen vielen Jahren aus dem Urlaub mit gebracht, woher weis niemand mehr.

Letztes Jahr hat mein Opa dann den Keller aufgeräumt und mir die Pistole zusammen mit einem kleinen gekrümmten Dolch geschenkt. Beide Stücke sind funktionsunfähige Dekoteile und brauchen ein bisschen Pflege, aber dann eignen sie sich - wie ich finde - wunderbar für eine Freibeuterin.

Deko-Waffen

Der Plan sieht also folgendermaßen aus:

Ich möchte einen Justaucorps (frühe Form) aus Wolle, eventuell auch eine Weste. Darunter kommt ein zeitgenössisches Herrenhemd und ein Schnürleib.
Für untenrum soll es zwei Röcke übereinander geben, ein Unterrock mit Saumrüsche und darüber ein Überrock.

Das alles soll etwas angeranzt werden, schließlich sind wir ja schon eine Weile unterwegs auf Kaperfahrt. Dann fehlen noch ein paar Kleinigkeiten wie ein breiter Gürtel, in den ich die Kanone stecken und anderen Kleinkrams und Anachornismen wie das Handy und Hausschlüssel unter bringen kann. Dazu ein Kopftuch für unter den Dreispitz und Gebamsel wie Schmuck und andere Beute.

Die Idee dahinter ist es, keinen 0/8/15-Fantasy-Faschings-Pirat zu fabrizieren, sondern Kleidungsstücke zu verwenden, wie es sie im 18. Jahrhundert gab, auch was Schnitt, Verarbeitung (weitestgehend – wo mans nicht sieht, nehm ich die Maschine), Stoffe und Farben angeht. Aber das ganze Ensemble soll etwas zusammengeklaut aussehen. Hier eine Jacke erbeutet, da einen Rock, da ein bisschen Schmuck…

Frauen waren wohl auf Piratenschiffen ein eher seltener Anblick, aber sie werden wenn eher das getragen haben, was auch die Männer trugen, ist ja auch praktischer als so ein Kleid.

Den Schnürleib finde ich einfach schön, er macht ein nettes Décolleté, die epochentypische Linie und wurde im 18. Jahrhundert so selbstverständlich getragen wie heute der BH.

Weiter geht es demnächst mit Teil II – Der Schnürleib

 

Schultüte für große Jungs

Vor 2 Wochen hat mein Freund eine neue Ausbildung begonnen. Da es eine schulische Ausbildung ist, gabs auch eine Schultüte.

Für einen Mittzwanziger darf es etwas stilvoller sein: Keltische Knotenmuster, dreidimensional in Metallfolie geprägt und mit schwarzem Lack akzentuiert.

Drin war, was in Schultüten eben so drin ist, ein bisschen was Süßes und ein bisschen was nützliches, in dem Fall eine Stifterolle aus Leder, bestickt mit einem keltischen Rabenmotiv.

Lillians neue Kleider

Für ein Feier-Con Anfang Juni braucht mein Harry Potter Larp-Charakter Lillian eine schicke Festgewandung.
Seit ich ihn das erste mal gesehen hatte, wollte ich den Steampunk Schnitt von Simplicity unbedingt nähen, das schien die Gelegeheit dazu. Zumindest für den Mantel und die Corsage.
Also wanderten ein grün-gold changierender Taft mit leichtem Crach-Effekt, schwarzer Jaquard und schwarzer Futtertaft unter die Nähmaschine. Kombiniert mit einem wunderbaren Stickdatei-Pack von Urban Treads kam dann Folgendes dabei heraus:

Die Corsage habe ich ein ganzes Stück verlängert und  die Spitzen mehr ausgeprägt.  Auf Figur gebracht wird das gute Stück im Rücken mit einer Schnürung. Anstatt wir vorgesehen mit Plastik ist die Corsage mit Stahlstäbchen verstärkt.

Auch der Mantel hat einige Änderungen erfahren:
Anstatt den Knöpfen am Mantel habe ich mich für einen Verschluss aus Schlingen und Perlen entschieden, die Taschenöffnung liegt (wie es sich gehört) unter den Klappen, statt wie im Schnitt vorgesehen darüber und die Ärmel habe ich ausgestellt. Hinten war mir der Mantel nicht weit genug, also habe ich in die hinteren Seiten- und die mittlere Rückennaht Kellerfalten eingebaut. 
Die Rüschen am Ausschnitt passen nicht zu Lillian, also wurden sie durch einen Kragen aus dem selben Stoff wie die Corsage ersetzt.

Generalprobe

Dieses Wochenende habe ich mein Zelt dem ersten Härtetest unterzogen.
Zwar nur im Garten, aber unter besten Testbedingungen: Sonne, starker, böiger Wind und sinflutwartiger Regen.

Bilanz:
Sonne; kein Problem, das Zelt sieht von innen wie ausssen wahrlich ritterlich aus, Wind: Das Zelt steht wie ne Eins, schwingt höchstens minimal im Wind, Regen: das Zelt hält, an ein, zwei Stellen tropft es, da muss ich noch mal mit Nahtdichter hinterher.

Es sind noch ein paar Sachen dazu gekommen; der Mast ist jetzt rot geringelt, das Vordach hat mittlerweile Masten mit goldenen Kugeln und das Dach wird nun standesgemäß von einer goldenen Kugel und einem Wimpel gekrönt.

Und vor der Abfahrt zum Mittelaltermarktbesuch, gabs noch schnell ein Foto:

Und nach der Heimkehr mit einer aufziehenden Regenwand:

 

Es steeeeht!!

Oder: Erster Probeaufbbau:

Bei strahlendem Sonnenschein und 5° habe ich das Zelt heute zu ersten Mal aufgestellt und was soll ich sagen; ich bin sehr zufrieden!
Man bekommt das Zelt gut mit drei Leuten in etwa einer Dreiviertelstunde aufgebaut.  

Zeltaufbau in Kurzfassung:


Schritt 1:

Die Bodenplane zum Schutz vor Grasflecken auf dem hellen Stoff auslegen, das Dach darauf ausbreiten und die Hanfseile an die Abspannschlaufen knoten.
Als Nächstes den vierteiligen GFK-Ring in den Tunnel fädeln und zusammen schrauben.
   

Schritt 2:

Den Mittelmast zusammen schrauben und die Spitze durch das Loch im Dach stecken. (Wenn ich jetzt schon eine Spitze und einen Wimpel hätte, wäre jetzt die Zeit, beides auf den Mast zu setzen)

Dann wird er Mast aufgerichtet und die Leinen immer gegenüber liegend gleichmäßig abgespannt, während ein Helfer den Masten festhält.

Da ich heute nicht genug Herine hatte, um die Bodenplane festzustecken, hat sie die ganze Zeit versucht, davon zu flattern.


Schritt 3:

Jetzt wird aus dem Pavillion ein Zelt, indem die Seitenwände eingehangen werden.
Die Schlaufen von den Seitenwänden werden durch die vom Dach gezogen und mit einem Holzknebel gesichert.  
Als Letztes wird die Seitenwand am Boden abgespannt, das geht am besten, wenn der Eingang geschlossen ist.

Fertig!

Durch die Bodenplane im Perserteppich-Look hat es einen sehr netten Aha-Effekt, wenn man ins Zelt schaut und es wird innen auch ein wenig heller.
Das Licht im Zelt ist toll, durch die dunklen Wände, den hellen Boden und das helle Dach, auf dem sich die Bemalungen abzeichnen. Ich bin begeistert und freu mich auf den ersten Sonnenaufgang im Zelt.

 
Fazit:

Für mein erstes selbst genähtes Zelt und mein erstes Mittelalterzelt (als Kind hatte ich vorher nur mal ein billiges Iglu vom Discounter) bin ich überglücklich mit dem guten Stück und es ist besser geworden, als ich es mir erhofft hatte. Jetzt muss es nur noch dicht sein und der ein oder anderen Windböe trotzen…

Den GKF-Ring in den Tunnel zu bekommen und dort zusammen zu bauen, ist etwas fummelig, aber es geht. Die Schraubverbindungen der Ringteile haben gut gehalten und das Aluminium hat sich nicht, wie zwischendrin befürchtet, verbogen.  

Die Wandbefestigung mit den Knebeln hält wunderbar, die Wand hängt durch ihr eigenes Gewicht und die Abspannung gut fest und ist schnell eingehängt und wieder abgenommen.

Die Tunnel musste ich ein Stück weit auftrennen, um die Ringteile verschauben zu können, die Nähte sind bereits gesichert und über der Lücke verdeckt jetzt eine Lasche aus Zeltstoff die Schrauben und das Alu.

Nun sind nur noch ein paar Kleinigkeiten zu tun:

An einigen Stellen muss ich noch die Bemalung ausbessern und über die  Abspannschlaufen malen, die ich mit weißem Garn an einer anderen Maschine annähen musste. 18 Lagen Zeltstoff an dieser Stelle waren der Pfaff einfach zu viel.

Der Mittelmast und die Vordachmasten sollen noch eine spiralförmige Bemalung bekommen und brauchen als Abschluss oben noch eine Holzkugel, besonders der Mittelmast, damits nicht rein regnet.

Oben auf die Dachspitze soll noch ein (auswechselbarer) Wimpel.

Für um den Mittelmast ist ein runder Tisch mit Ablagefläche geplant.

Eventuell bekommt die Seitenwand noch eine weiße Bordüre.